Stirbt Google? Warum KI die Online-Suche für immer ändert

Letzte Aktualisierung: November 10, 2025
Harald Fischl
-
Lesedauer: 7 min
Inhalt

Wenn du mich vor drei Jahren gefragt hättest, was das Wichtigste im Online-Marketing ist, hätte ich wahrscheinlich gelacht und gesagt: „Ganz oben bei Google stehen. Was sonst?“

Wir (die SEOs) waren die Könige der Sichtbarkeit. Wir kannten die Regeln, wir wussten, wie der Google-Algorithmus tickt (oder taten zumindest so), und wir haben Unternehmen geholfen, auf dieser einen, alles entscheidenden Plattform gefunden zu werden.

Heute, im November 2025, fühlt sich diese Sicherheit… wackelig an. Wir alle spüren es. Dieses Gerede über KI, ChatGPT, „Generative AI“. Es ist überall. Es ist laut. Und oft ist es nur Hype.

Aber ich bin Techniker, kein Esoteriker. Ich verlasse mich nicht auf Hype oder auf das, was irgendein LinkedIn-Guru in 300 Zeichen postet. Ich wollte wissen, was wirklich Sache ist.

Also habe ich das getan, was ich am besten kann: Ich habe Daten gesammelt. Ich habe eine anonyme Online-Umfrage gestartet: „Suchverhalten im Internet 2026“. Über zwei Monate lang habe ich 439 Leute aus allen möglichen Alters- und Berufsgruppen befragt. Keine Nerds, keine Marketing-Experten. Einfach ganz normale Nutzer.

Ich wollte von ihnen wissen: Sucht ihr noch oder chattet ihr schon?
Die Ergebnisse liegen jetzt vor. Und ich sage es dir ganz ehrlich: Einige dieser Zahlen machen mir als SEO-Experte Sorgen. Andere wiederum zeigen eine riesige Chance.

Spoiler: Google stirbt nicht. Aber die Art und Weise, wie wir Google nutzen – und wie wir als Unternehmen dort gefunden werden – ändert sich radikal.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Google dominiert (noch), aber KI holt auf: 84,4 % der 439 Teilnehmer starten ihre Suche bei Google. Allerdings nutzen bereits 40,6 % aktiv KI-Chatbots (wie ChatGPT) als primäre Suchplattform.
  • KI ist kein Spielzeug mehr: Die Hälfte der Befragten (50,0 %) nutzt KI-Sprachmodelle bereits wöchentlich oder täglich, hauptsächlich zur Recherche und für Zusammenfassungen.
  • WARNUNG: „Zero-Click“ ist real: 71,9 % der Nutzer klicken nur „selten“ oder „manchmal“ auf die Quellenangaben einer KI-Antwort. Die direkte Zusammenfassung reicht ihnen.
  • Bequemlichkeit schlägt Vertrauen: Obwohl das Vertrauen in KI nur mittelmäßig ist (Note 3 von 5), ist der Wunsch nach einer „einfachen, verständlichen Zusammenfassung“ (65,6 %) der wichtigste Faktor für die Nutzung.
  • SEO lebt, aber der Platz wird eng: Bei Google selbst klicken 75,0 % weiterhin auf die klassischen organischen Links. Das KI-Feld (AI Overview) bindet jedoch bereits 43,8 % der Aufmerksamkeit.
  • Die Zukunft ist hybrid: Die Teilnehmer erwarten keine „Entweder-Oder“-Entscheidung. Sie gehen davon aus, dass sowohl klassische Suchmaschinen als auch KI-Chatbots in Zukunft wichtiger werden.

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Teil 1: Die große Spaltung – Wer startet wo?

Die erste Frage war für mich die wichtigste. Der „Point of Entry“. Wo beginnt die Suche nach Wissen?

„Wenn du eine neue Information im Internet suchst, welche Plattform nutzt du zuerst?“

Okay, tief durchatmen: Google ist nicht tot. 84,4 % (370 der 439 Teilnehmer) gaben an, immer noch die „Google (klassische Suche)“ als erstes zu nutzen. Das ist die Macht der Gewohnheit. Google ist das digitale Muskelgedächtnis unserer Gesellschaft.

Aber.

Das ist nicht die eigentliche Story. Die Story ist Platz 2.

Auf Platz 2 (und das ist der Hammer) landen mit 40,6 % (178 Teilnehmer) „Spezielle KI-Chatbots (z.B. ChatGPT, Perplexity, Gemini-Chat)“.

Lass das mal sacken. Wir sprechen nicht von einer 5%-Nische. Wir sprechen von vier von zehn Personen, die für ihre Informationssuche bereits bewusst Google den Rücken kehren und stattdessen einen Chatbot öffnen.

Googles eigene KI-Antworten in der Suche (die „AI Overviews“) nutzen übrigens nur 28,1 %. Das heißt: Die Leute, die KI wollen, wollen oft die reine KI-Erfahrung und nicht das, was Google ihnen in die alte Suche mischt.

Was ich daraus lerne: Die Zeit, in der du dein ganzes Marketing-Budget auf Google werfen konntest, ist vorbei. Dein Publikum spaltet sich gerade auf. Ein Teil bleibt bei Google, ein anderer Teil wandert aktiv ab. Wenn du nur für Google optimierst, bist du für 40 % deiner potenziellen Kunden unsichtbar.

 

Teil 2: KI ist mehr als ein Spielzeug

Ich höre oft: „Ach, die KI, das ist doch nur Spielerei. Ein bisschen Texten, ein paar Bilder malen…“

Wirklich?

Ich habe gefragt: „Hast du in den letzten 3 Monaten ein KI-Sprachmodell (…) aktiv genutzt?“

Das Ergebnis hat mich selbst vom Hocker gehauen. Jeder Zweite (50,0 % oder 220 Teilnehmer) nutzt KI „mehrmals wöchentlich oder täglich“.

Das ist keine Spielerei mehr. Das ist ein Werkzeug. Das ist ein fundamentaler Shift in der Nutzung. In weniger als zwei Jahren hat sich ein komplett neues Interface in den Alltag von 50 % der Menschen gefressen.

Aber wofür?
Das ist der Knackpunkt. Wofür brauchen die das Ding? (Mehrfachnennung war möglich):

  1. Recherche und Informationssuche (als Ersatz für Google) (56,2 %)
  2. Texterstellung (E-Mails, Berichte etc.) (50,0 %)
  3. Zusammenfassung/Erklärung komplexer Sachverhalte (34,4 %)

Schau dir Punkt 1 und 3 an.

Sie nutzen KI nicht, um Gedichte zu schreiben. Sie nutzen sie, um Google-Aufgaben zu erledigen.

Google war bisher das Lexikon. Du musstest 10 Artikel öffnen, um ein Thema zu verstehen. Die KI ist der Assistent, der diese 10 Artikel für dich liest und dir eine Zusammenfassung (Punkt 3) oder die direkte Antwort (Punkt 1) gibt.

KI löst das Problem der Informationsflut. Sie gibt dir nicht mehr Links (was Google tut), sondern sie gibt dir eine Antwort. Und das ist verdammt verführerisch.

Und jetzt mal unter uns: Ich habe für die Studie natürlich auch KI genutzt. Um genau zu sein war es Gemini – einerseits für die umfassende Auswertung meiner Daten (die waren aber echt und von echten Benutzern geliefert), andererseits für die Basis-Texterstellung hier.

Teil 3: Warum wir etwas nutzen, dem wir nicht trauen

Jetzt wird es psychologisch. Wir wissen alle, dass KIs „halluzinieren“. Sie lügen dir mit einem digitalen Lächeln ins Gesicht.

Also fragte ich: „Wie vertrauenswürdig schätzt du die Informationen ein? (1 = Überhaupt nicht | 5 = Absolut vertrauenswürdig)

Das Ergebnis ist faszinierend. Fast niemand hat 1 oder 5 gesagt. Die überwältigende Mehrheit – 59,4 % (261 Teilnehmer) – wählte die neutrale Mitte (3).

Was bedeutet das? Es bedeutet, dass die Leute nicht dumm sind. Sie vertrauen der KI nicht blind.

Sie behandeln die KI wie einen unglaublich schnellen, brillanten, aber manchmal auch komplett verrückten Praktikanten. Man lässt ihn die Arbeit machen, schaut aber besser nochmal drüber.

Wir haben hier also eine Situation:

  1. Die Hälfte nutzt KI täglich (Q2).
  2. Die Mehrheit misstraut den Ergebnissen (Q5).

Wie passt das zusammen? Warum nutzen wir etwas so intensiv, dem wir nicht trauen?

Die Antwort darauf ist der vielleicht wichtigste – und für mich als Website-Betreiber beunruhigendste – Teil der ganzen Studie.

Teil 4: Die „Zero-Click“-Falle

Wenn du einer KI misstraust (was Q5 beweist), was müsstest du logischerweise tun? Richtig: Du müsstest die Quellen prüfen. Du müsstest auf die Links klicken, die dir die KI (hoffentlich) liefert.

Also fragte ich: „Wenn ein KI-Chatbot eine Antwort liefert: Klickst du dann auf die Quellenangaben/Links am Ende des Textes?“

Die Antwort ist ein Schlag ins Gesicht für das „alte“ Internet:

  • 37,5 % (165 Teilnehmer) sagten: „Selten oder nie“
  • 34,4 % (151 Teilnehmer) sagten: „Manchmal“

Lass uns das zusammenzählen: 71,9 %. Fast drei Viertel der Leute.

Obwohl sie der KI misstrauen, klicken sie in den meisten Fällen nicht auf die Quelle. Sie besuchen die Website, von der die Information stammt, nicht.

Warum ist das so verdammt gefährlich?

Das Internet, wie wir es kennen, basiert auf einem Deal. Einem ungeschriebenen Vertrag:

Du (als Website-Betreiber, Blogger, Shop-Besitzer) erstellst wertvolle Inhalte. Google findet sie und schickt dir im Gegenzug Besucher (Traffic). Von diesem Traffic lebst du. Du verkaufst Produkte, schaltest Werbung, baust deine Marke auf.

Content gegen Traffic. Das war der Deal. Die KI bricht diesen Deal.

Die KI nimmt sich deinen Content (liest ihn), verdaut ihn und spuckt eine Zusammenfassung für den Nutzer aus. Der Nutzer sagt „Danke, KI“ und schließt das Fenster.

Er hat bekommen, was er wollte. Aber du (der Ersteller) bekommst: Nichts. Keinen Klick. Keinen Besucher. Keinen Kunden.
Das ist das, was ich die „Zero-Click-Apokalypse“ nenne.

Aber warum tun die Leute das? Warum klicken sie nicht, obwohl sie skeptisch sind? Ich habe die Antwort in Frage 7 gefunden: „Was ist dir bei der KI-generierten Antwort am wichtigsten?“

Die Top-Antwort (mit 65,6 %!) war nicht „Geschwindigkeit“. Es war nicht einmal „Präzision“ (die kam auf Platz 2). Es war: „Die Einfachheit und Verständlichkeit der Zusammenfassung.“

Die Leute sind müde. Sie sind erschöpft von der Informationsflut. Sie wollen nicht mehr 10 Tabs öffnen. Sie wollen nicht mehr drei Blogartikel lesen, um eine Antwort zu finden.

Sie wollen die Synthese. Sie wollen die einfache Antwort. Und sie sind bereit, dafür ein gewisses Risiko (Misstrauen) einzugehen.
Bequemlichkeit schlägt Gründlichkeit. Und das verändert alles.

Teil 5: Der Kampf auf Googles eigenem Rasen

Okay, das war jetzt die Welt außerhalb von Google (ChatGPT & Co.). Aber was passiert in Google? Google baut ja seine eigenen KI-Antworten (die „AI Overviews“) direkt über die Links.

Ich habe also gefragt: „Wenn du Google nutzt, worauf klickst du eher?“

Hier sehen wir den Showdown live auf der Ergebnisseite:

  1. „Die ersten 3-5 organischen Suchergebnisse (Links)“ – Puh, Glück gehabt. Mit 75,0 % (329 Nennungen) ist das immer noch der absolute Hotspot. SEO lebt!
  2. Aber: Das „KI-generierte Feld (Google AI Overview)“ schnappt sich bereits 43,8 % (192 Nennungen) der Aufmerksamkeit.

Das ist der Beweis: Klassisches SEO ist (noch) der wichtigste Hebel. Die Leute wollen noch auf die blauen Links klicken.

Aber du kannst nicht so tun, als gäbe es die KI-Box (die fast die Hälfte der Aufmerksamkeit frisst) nicht. Du kämpfst jetzt auf zwei Fronten – auf derselben Seite.

Du musst in den blauen Links auftauchen (SEO) und du musst dafür sorgen, dass deine Infos in der KI-Box auftauchen.

Und das, liebe Leute, ist eine komplett neue Disziplin. Das ist GEO (Generative Engine Optimization). Du optimierst nicht mehr nur für einen Link-Klick, du optimierst dafür, die Antwort zu werden.

Teil 6: Die Zukunft – Ein Unentschieden

Wie geht das alles aus? Wird die KI Google töten?

Ich habe die Leute direkt gefragt, was sie glauben: „Welche Plattformen werden für dich in den nächsten Jahren wichtiger werden?“

Das Ergebnis ist ein perfektes Unentschieden. Ein Schulterzucken.

  • 68,8 % (302 Nennungen) sagen: „Klassische Suchmaschinen (Google, Bing)“
  • 62,5 % (274 Nennungen) sagen: „KI-Chatbots (ChatGPT, Gemini etc.)“

Die Leute erwarten keinen K.O.-Sieg. Sie erwarten eine Koexistenz.

Das spiegelt sich auch in der letzten Frage (Q8) wider, wie wahrscheinlich sie KI zukünftig für die Suche nutzen: Das Feld ist komplett polarisiert. Es gibt ein riesiges Lager von Skeptikern (Note 1 & 2) und ein fast ebenso großes Lager von Fans (Note 4 & 5).

Mein persönliches Fazit

Das „Suchverhalten 2026“ wird nicht das eine oder das andere sein. Es wird hybrid.

Wir werden als Nutzer je nach Bedarf entscheiden:

  • „Pizzeria Graz“ oder „maxonline“? -> Google (Klassische Suche)
  • „Erkläre mir die Inflation wie einem 10-Jährigen“ oder „Schreibe mir einen 5-Tages-Reiseplan für Rom“? -> KI-Chatbot

Als Unternehmer, Marketer oder Website-Betreiber bedeutet das: Die gemütlichen Zeiten sind vorbei. Du hast jetzt zwei Jobs statt einem:

  1. Klassisches SEO: Du musst weiter um die Top-Plätze bei den „blauen Links“ kämpfen. Das ist die Basis. Wer hier nicht auftaucht, verliert 75 % der Klicks (siehe Q9).
  2. GEO (Generative Engine Optimization): Du musst deine Inhalte so aufbereiten, dass die KI-Modelle (egal ob ChatGPT oder Google) deine Seite als die vertrauenswürdigste Quelle ansehen und deine Infos in ihren Zusammenfassungen zitieren.

Das Spiel ist härter geworden. Wir kämpfen nicht mehr nur um einen Klick. Wir kämpfen darum, überhaupt noch stattzufinden – entweder als Link oder als Teil der Antwort. Bei maxonline® haben wir aus diesem Grund die laufende SEO- und GEO Betreuung – und kämpfen gemeinsam mit und für Unternehmen um mehr Sichtbarkeit auf Google und in KIs.

Aber eines ist klar: Wer jetzt stehen bleibt und hofft, dass dieser KI-Kram wieder weggeht, wird auf dem alten Spielfeld stehen bleiben, während das Finale längst woanders begonnen hat.

Jetzt lesen: Studie zum Suchverhalten im Internet 2026

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Harald Fischl
Head of SEO & GEO, Geschäftsführender Gesellschafter bei maxonline. Ich beschäftige mich täglich mit den aktuellen News und Trends aus der SEO-Welt und entwickle Strategien, die unsere Kunden wirklich nach vorne bringen.

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